PACIFICOagenda ––– Saisonende
Wenn es ruhiger wird, die Leute gefahren sind und der Wind die ersten Blätter auf den Sportplatz weht, geht die Saison zu Ende. Die Menschen hinter den Kulissen kommen zu einem besonderen Einsatz: sie stapeln, wischen und räumen die Draußenmöbel. Unser Jahresbegleiter – wie jedes Jahr anregend und inspirierend für Auge und Geist – guckt zu, wie die Stühle gestapelt werden. Und ist jetzt ganz bald in unserem Shop erhältlich.
Der Kunststoffstuhl in weiß ist wohl das verbreitetste Möbelstück weltweit. Die Industrie nennt ihn Mono-Block-Stuhl. Für alle anderen ist es ein billiger Plastikstuhl. Stapelbar und wetterfest, praktisch und leicht, robust und flexibel: seine Eigenschaften prädestinieren den Plastikstuhl zum Allerweltsmöbel.
Kleine Perlen aus Polypropylen und Farbkonzentrat werden bei einer Temperatur von 200 Grad geschmolzen und anschließend in eine Form gespritzt. Innerhalb von maximal sechzig Sekunden entsteht so ein zweieinhalb Kilogramm schwerer Kunststoffstuhl. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges begannen Möbeldesignerinnen mit den neu erfundenen Kunststoffen zu experimentieren. Pioniere sind der ikonische Einschalenstuhl der Amerikanerinnen Charles und Ray Eames und der Hille-Stuhl des britischen Designers Robin Day aus Polypropylen.
Der erste Vollkunststoffstuhl kam jedoch erst 1965, als der italienische Industriedesigner Joe Colombo den Universale schuf. Der war zwar praktisch, aber für eine Volksbewegung schlicht zu futuristisch. Zum wirtschaftlichen Durchbruchs des Plastikstoffstuhls dauerte es nach Colombos Entwurf noch zwei Jahrzehnte
Im Gegensatz zu den meisten Stühlen, die für eine bestimmte Ästhetik oder Funktion zur Ikone werden, ist der schlichte Plastikstuhl wegen seiner Flexibilität – sowohl im Material als auch im Design – beliebt geworden. Wie eine leere Leinwand lässt sie sich leicht an eine wirtschaftliche Massenproduktion anpassen. Das Ergebnis ist nicht nur ein hochfunktionelles und erschwingliches Möbelstück, das von Menschen auf der ganzen Welt genutzt wird, sondern auch ein Zeichen unserer globalisierten Zeit.
Die Stühle und das Räumen, Säubern und Stapeln begleiten grafisch reduziert durch das Jahr. Facetten des Saisonendes tauchen immer wieder im Alltag auf. Allgegenwärtiges, das sonst unbemerkt bleibt, wird Gegenstand der Betrachtung. Dabei vergessen wir nicht die Menschen, die die Stühle tragen, säubern, stapeln. Sie arbeiten im Hintergrund und erscheinen, wenn es ruhiger wird. Nicht selten arbeiten sie unter prekären Bedingungen und sind für einen Großteil derer, die die Stühle benutzen, nicht sichtbar.